Mia san mia. Hans Haacke & Werke aus der Sammlung

Ich hatte Hans Haacke zu einem Rückblick seiner Arbeit in Form einer großen Werkschau, seiner ersten in Wien, eingeladen und bereits intensiv daran gearbeitet. Anstatt dessen entschloss er sich kurzerhand „auf ein einziges Problemfeld: den Umgang mit der Vergangenheit des Landes und der nationalen Identität“ zu konzentrieren. „Fragen“, so der Künstler, „die in Österreich und in Deutschland – mehr als mir lieb ist – die Gemüter erhitzen“. Seiner Ansicht nach haben die von ihm 1988 und 1996 in Graz entwickelten Arbeiten zur Zeit der Ausstellung nicht an Aktualität verloren.[1]

Fragen der Konstruktion von Identität, die auch in seinem Projekt DER BEVÖLKERUNG (1999/2000) für das Reichstagsgebäude in Berlin evident sind, sollten im Zentrum seiner Präsentation in der kleinen Halle stehen. Unter dem Titel Mia san mia griff Hans Haacke diese Thematik in einer speziell für diese Ausstellung entstandenen Installation aus aktueller Perspektive auf. Mit dieser neuen Wiener Arbeit bildete Haacke einen zeitlich-räumlichen Rahmen für sein Berliner Projekt gemeinsam mit den Grazer Arbeiten, dem Entwurf für die Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus am Militärschießübungsplatz „Feliferhof“ (Graz, 1996) und Und ihr habt doch gesiegt (1988), beide für den öffentlichen Raum konzipiert.

Hans Haacke (1936 Köln, DE – seit 1965 New York, US) befasste sich in seiner künstlerischen Arbeit anfangs mit physikalischen und biologischen Systemen und verdichtete seine künstlerische Praxis zunehmend zu einer Analyse und Reflexion sozio-politischer Strukturen. Die zum Teil sehr heftigen, aus seinen Projekten resultierenden Debatten, wie beispielsweise in Graz, wo seine Arbeit sogar einem Brandanschlag zum Opfer fiel, betrachtet er als Teil seiner künstlerischen Arbeit. Neben den Grazer Projekten konnten der ikonische Kondensationswürfel (1963/65) und die Installation Zirkulation (1969) für die Sammlung der Generali Foundation erworben werden.

Die beiden Werke aus der frühen Periode, in der sich Haacke, angeleitet von der Systemtheorie, mit der Dynamik von Flüssigkeiten befasste, wurden in der parallel stattfindenden Präsentation ausgewählter Werke aus der Sammlung der Generali Foundation gezeigt, die in der großen Halle eingerichtet worden war.


[1] Zu dieser Zeit wurde Österreich von einer Koalition der Österreichischen Volkspartei und der Freiheitlichen Partei regiert.

Hans Haacke © VG Bild-Kunst, Bonn 2001; Photo © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2001

7. September – 20. Dezember 2001
Generali Foundation
Wien, AT

Mit Werken von
Gottfried Bechtold, Norbert Brunner/Michael Schuster, Maria Eichhorn, VALIE EXPORT, VALIE EXPORT/Peter Weibel, Harun Farocki, Dan Graham, Hans Haacke, Johanna Kandl, Mary Kelly, Richard Kriesche, Gordon Matta-Clark, Walter Pichler, Martha Rosler, Gerhard Rühm, Franz West, Heimo Zobernig

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Kuratorische Assistenz, Ausstellungsproduktion: Nadja Wiesener

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien, 2001
Mia san mia. Hans Haacke
Vorwort Dietrich Karner, Einleitung Sabine Breitwieser, Texte Hans Haacke, Christian Kravagna, Heidemarie Uhl
Grafische Gestaltung Susanne Klocker
24,5 × 19 cm, 192 Seiten, 20 Farb-, 45 s/w Abbildungen
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
Dresden, Philo Fine Arts GesmbH, Verlag der Kunst; New York, D.A.P. (gebundene Ausgabe)
ISBN 3-364-00392-0

Links
www.foundation.generali.at