
Dr. Sabine Breitwieser ist eine international tätige Museumsleiterin und Kuratorin, sie lebt derzeit als unabhängige Kunstwissenschaftlerin in Wien. 2012 wurde sie mit dem Yoko Ono Lennon Courage Award for the Arts in New York ausgezeichnet. Breitwieser war ein 2020/2021 Getty Scholar am Getty Research Center in Los Angeles, ein renommiertes Forschungsprogramm, das sie 2022 fortsetzen konnte.
Breitwieser hatte wichtige leitende Positionen an Museen. Von 2013 bis 2018 war sie Direktorin des Museum der Moderne Salzburg. Zuvor, von 2010 bis 2013, hatte sie die Position der Chefkuratorin für Medien- und Performancekunst am Museum of Modern Art in New York inne und leitete eine von den sechs Fachabteilungen und Sammlungen. Von 1988 bis 2007 war sie Gründungsdirektorin und leitende Kuratorin der Generali Foundation in Wien. Als Gastkuratorin war Breitwieser an Institutionen wie beispielsweise für das Muzeum Susch in der Schweiz, das MoMA PS1 in New York, das MMK Frankfurt am Main, das Museu D’Art Contemporani de Barcelona, den steirischen herbst in Graz oder für die Liverpool Bienniale tätig.
Parallel zu ihren Tätigkeiten als Direktorin und Kuratorin übernimmt Breitwieser zahlreiche weitere berufliche Funktionen. Von 2004 bis 2013 war sie im Vorstand von CIMAM, dem International Committee of ICOM for Museums and Collections of Modern Art, die letzten drei Jahre davon als Secretary und Treasurer. In dieser Rolle mitorganisierte sie u. a. die jährlichen CIMAM-Fachtagungen, von New York über Sao Paulo bis Shanghai. Breitwieser ist Mitglied zahlreicher weiterer Fachorganisationen, darunter korrespondierendes Mitglied der Secession in Wien. Sie war eine der Moderator*innen der Museumsinitiative 2007/08 des damaligen Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Sie ist regelmäßig als Jurorin für Preise, Stipendien u. ä. tätig. 2015 wurde sie von Okwui Enwezor in die Jury für die Preisvergabe der 56. Biennale di Venezia berufen.
Sabine Breitwieser veröffentlichte in namhaften Publikationen zahlreiche Texte über zeitgenössische Kunst und Museumsmanagement und schreibt regelmäßig Beiträge für Kunstzeitschriften wie Afterall (London), Artforum (New York) oder Texte zur Kunst (Berlin). Zusätzlich verfolgt sie eine rege Vortragstätigkeit an Universitäten sowie bei Konferenzen und Symposien. 2012 war sie Regents’ Lecturer an der University of California in Berkeley in den Vereinigten Staaten.
Sabine Breitwieser kuratierte und leitete mehr als 150 monografische und thematische Ausstellungen in Europa und den Vereinigten Staaten und gab rund 100 Publikationen heraus. Viele ihrer Projekte gingen auf Tour an prominente Institutionen und nicht wenige darunter zählen heute zu Meilensteinen in der internationalen Ausstellungsgeschichte. Ihr Buch Carolee Schneemann. Kinetic Painting wurde 2017 von der New York Times zu einem der besten Künstlerbücher nominiert.
Breitwieser ist Kuratorin und Leiterin von wegweisenden Retrospektiven und Einzelausstellungen zahlreicher Künstler*innen, darunter Etel Adnan, Anna Boghiguian, VALIE EXPORT, Harun Farocki, Simone Forti, Andrea Fraser, Isa Genzken, Dan Graham, Hans Haacke, Theresa Hak Kyung Cha, Isaac Julien, Mary Kelly, William Kentridge, Edward Krasiński, Christian Marclay, Gordon Matta-Clark, Ana Mendieta, Marisa Merz, Gustav Metzger, Walter Pichler, Adrian Piper, Martha Rosler, Carolee Schneemann, Allan Sekula, Franz West und Heimo Zobernig. Mit ihrem Programm, insbesondere mit den von ihr organisierten Themenausstellungen setzte Breitwieser regelmäßig Trends, darunter Up To And Including Limits: nach Carolee Schneemann (Susch, 2019–2020), Kunst-Musik-Tanz, Anti:modern (Salzburg, 2016), E.A.T. – Experiments in Art and Technology (Salzburg, 2015), Im Dialog: Wiener Aktionismus (Salzburg, 2014), Performing Histories (New York, 2012), Utopie und Monument (Graz, 2009–2010), Modernologies (Barcelona und Warschau, 2009–2010), Designs für die wirkliche Welt (Wien, 2002), double life (Wien, 2001), RE-PLAY (Wien, 2000), vivencias/Lebenserfahrung (Wien, 2000) und White Cube/Black Box (Wien, 1996).
Sabine Breitwieser hinterlässt in ihren verschiedenen Führungspositionen an Museen durchwegs nachhaltige Spuren. Das Museum der Moderne Salzburg erfuhr unter ihr mit einem multidisziplinären, hochkarätigen und globalen Programm eine erfolgreiche Neupositionierung. Gleichzeitig wurden unter ihrer Direktion die Sammlungen aufgewertet, dabei die Expertise für Fotografie ausgebaut und die Bestände substanziell mit rund 3000 Werken erweitert. Sie verantwortete in Salzburg rund siebzig Ausstellungen, darunter sind prominente internationale Künstler*innen und Kunstbewegungen mit Schwerpunkt auf Frauen, sowie Themenausstellungen mit zum Teil spezifisch lokaler Anbindung. In Salzburg initiierte sie auch eine Reihe über Künstler*innen mit Exil-Hintergrund. Für die Sammlung der Generali Foundation, die als ihre Initiative als Dauerleihgabe nach Salzburg gewonnen wurde, etablierte sie eine Serie mit rotierenden Sammlungsausstellungen. Mit der Renovierung des historischen Stammhauses Rupertinum und der Einrichtung des Generali Foundation Studienzentrums (2016) sowie der Errichtung eines großen hochprofessionellen Kunstdepots (2017) erfuhr die Infrastruktur des Museums einen Quantensprung.
Während ihrer Tätigkeit am Museum am Museum of Modern Art in New York organisierte Breitwieser ebenso zahlreiche Ausstellungen und Programme und erwarb rund 600 Werke für die Sammlung, darunter zahlreiche Schenkungen. Einige ihrer größeren Ankaufsprojekte überspannten mehrere Fachabteilungen. How are we Performing Today? lautete der Titel eines zweitägigen Symposiums, das Breitwieser 2012 zur Diskussion von aktuellen Fragen über Performance-Kunst und Museum am MoMA organisierte. Die MoMA Media Lounge, gestaltet von der Künstlerin Renée Green, wurde von Breitwieser als erste Plattform dieser Art in einem New Yorker Museum eingerichtet.
Für die Generali Foundation in Wien, für die sie fast zwanzig Jahre in Wien und zuletzt in Salzburg erneut vier Jahre leitend tätig war, entwickelte sie ein international viel beachtetes Programm und baute eine weltberühmte Sammlung mit mehr als 2000 Werken auf, publiziert in den Bänden Ausstellungen 1989–2008 (2008) und Occupying Space. Sammlung Generali Foundation (2003). Unter ihrer Leitung wurde auch das 1995 eröffnete und für seine hoch qualitative wie funktionelle Architektur gepriesene Museumsgebäude der Generali Foundation mit den Architekten Jabornegg/Pálffy geplant und errichtet.