Designs für die wirkliche Welt

Diese Publikation, erschienen zur gleichnamigen Ausstellung in der Generali Foundation, versammelt exemplarisch Projekte von vier Künstler*innen unterschiedlicher Herkunft und Generation, die sich mit der Gestaltung unserer Lebenswelt auseinandersetzen und sich dabei besonders durch ihren interdisziplinären Zugang auszeichnen. Utopisches und ökologisches Design, Designs für die sog. Dritte Welt, Social Engineering, Stadtentwicklung, urbane Konfliktstellen und die Frage nach der Verantwortung der Kunst in einer „New Genre Public Art“ wurden in den jeweiligen künstlerischen Projekten in unterschiedlicher Weise thematisiert.

Am Beispiel des Arizona Marktes, des größten Schwarzmarktes auf dem Balkan, analysiert und visualisiert Azra Akšamija (1976 Sarajevo, BA – Boston, US) die Entstehung einer Stadt. Gewachsen entlang der Nord-Süd-Verkehrsachse in Nordbosnien, die von den amerikanischen SFOR-Soldaten Arizona Road benannt wurde, offenbart der Markt neue politische, soziale, wirtschaftliche sowie urbane Situationen, die als Folge des Krieges entstanden sind.

Ebenfalls als Architektin und bildende Künstlerin ausgebildet, beschäftigt sich Marjetica Potrč (1953 Ljubljana, SI) mit der kontinuierlichen Veränderung der Stadt und dem Dialog zwischen geplant und unreguliert entstandenen Vierteln, u. a. mit den ständig wachsenden Armensiedlungen. Gleich einer urbanen Anthropologin untersucht sie Einzelinitiativen aus unterschiedlichen geografischen und sozialen Bereichen, die Hightech-Probleme mit Lowtech-Lösungen bewältigen, insbesondere das Butterfly House des Architekturbüros Rural Studio von Samuel Mockbee (1944–2001).

Florian Pumhösl (1971 Wien, AT) rekonstruiert u. a. Entwürfe des Designers Victor Papanek, der in den 1960er-Jahren mit Design for the Real World eine bahnbrechende Publikation zu Fragen der Gestaltung in Zusammenhang mit Ökologie und sozialer Verantwortung verfasst hat. Durch die Re-Lektüre dieses Klassikers wird erkennbar, was von den Konzepten inzwischen in Massenproduktionen vermarktet wird. Pumhösls modellhafte Rekonstruktionen verdeutlichen sich zudem als Medium für den Transport von Ideen und Ideologien eines derartigen Designbegriffes.

Seit den 1970er-Jahren entwickelt Krzysztof Wodiczko (1943 Warschau, PL – New York, Cambridge, US) Geräte und Vehikel, in welchen Funktionen wie Mobilität, Kommunikation und Schutz vereint sind. In der Xenology-Serie (seit 1992) entwickelte er Apparaturen zur Benutzung für Migrant*innen, um sie in ihrer Präsenz und Kommunikation zu unterstützen. Wodiczko ist vor allem durch seine Großprojektionen mit verschütteten politischen Inhalten auf öffentlichen Gebäuden bekannt.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2002

Herausgegeben von
Sabine Breitwieser
für die Generali Foundation
Wien 2002

Texte von
Vorwort Dietrich Karner, Einleitung Sabine Breitwieser, Texte der Künstler*innen
Dokumentiert auch die Ausstellung translocation
(16. Januar–11. April 1999)

Grafische Gestaltung: Susi Klocker/Liga
24,5 × 19 cm, 317 Seiten, 118 Farb- und 44 s/w Abbildungen
Klappenbroschüre, Deutsch/Englisch
ISBN 3-901107-37-1
Köln, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2002 (Hardcover)
ISBN 3-88375-622-9

Links
www.foundation.generali.at