Der Traum des Publikums: Theresa Hak Kyung Cha

In einer umfangreichen Retrospektive stellte die Generali Foundation das Werk der koreanisch-amerikanischen Künstlerin Theresa Hak Kyung Cha (1951 Busan, KR – 1982 New York, US) erstmals in Wien vor und leitete zugleich die ausstehende Rezeption dieses einflussreichen, bislang praktisch unbekannten Werkes in Europa ein. Einige Arbeiten von Cha, darunter eine zentrale Lichtbildprojektion, wurden von der Generali Foundation rekonstruiert und erstmals seit dem frühen Ableben der Künstlerin wieder gezeigt.

In Korea geboren, emigrierte Theresa Hak Kyung Cha im Alter von 13 Jahren gemeinsam mit ihrer Familie in die USA. Aufgewachsen in San Francisco, studierte sie Ende der 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre an der University of California in Berkeley Vergleichende Literaturwissenschaft und Kunst. Die gesamte Bay Area war damals ein Zentrum für experimentelle Kunst wie Performance und Video und Berkeley war zudem Schauplatz von Student*innenprotesten gegen den Einsatz US-amerikanischer Truppen in Vietnam.

Geprägt vom geografischen Exil sowie von der kulturellen und sprachlichen Dislozierung, beschäftigte sich die Künstlerin mit Themen wie Erinnerung und Entfremdung. Das Charakteristische ihrer außergewöhnlich poetischen wie konzeptuellen Werke ist die intensive Auseinandersetzung mit Sprache. Sie betrachtete Sprache als „gemeinsamen Nenner“ ihres Interesses an Literatur, Linguistik und Filmsemiologie, als die wichtigste Grundlage ihrer Arbeit. Cha, die fließend drei Sprachen beherrschte, suchte nach „den Wurzeln der Sprache, ehe sie auf der Zungenspitze zur Welt kommen“. Das Erlernen von Fremdsprachen nutzte sie über die Funktion eines bloßen Kommunikationsmittels hinaus für die Analyse und das Experimentieren mit „anderen sprachlichen Aspekten“.

Theresa Hak Kyung Cha hatte aufgrund ihrer Studien der Vergleichenden Literaturwissenschaft, der bildenden Kunst sowie der Filmtheorie einen umfassenden intellektuellen Hintergrund und strebte nach einer künstlerischen Umsetzung von Theorie. In dem von ihr 1980 herausgegebenen Buch Apparatus. Cinematographic Apparatus: Selected Writings, das wesentliche Texte zur Filmtheorie enthält, findet sich im Mittelteil Commentaire, Chas eigener Beitrag zu dieser Thematik.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2004

14. Mai – 15. August 2004
Generali Foundation
Vienna, AT

In Zusammenarbeit mit
University of California, Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive
Kuratorin Constance M. Lewallen

Weitere Stationen
Berkeley Art Museum, Berkeley, US:
12. September – 16. Dezember 2001
(und weitere Stationen in den USA)
Fundació Tapies, Barcelona:
27. Januar – 10. April 2005

Kuratorin in Wien
Sabine Breitwieser
Kuratorische Assistenz, Ausstellungsproduktion: Luisa Ziaja

Ausstellungsarchitektur
Thomas Ehringer, nach einem Konzept von Sabine Breitwieser

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien 2004
Basierend auf der englischsprachigen Publikation, Hg. Constance M. Lewallen für Berkeley Art Museum und University of California Press
Der Traum des Publikums: Theresa Hak Kyung Cha (1951–1982)
Vorwort Dietrich Karner, Texte von Sabine Breitwieser, Constance M. Lewallen, Lawrence Rinder, Trinh T. Minh-ha und Bernadette Hak Eun Silveus
24,5 × 19 cm, 292 Seiten, 150 Farb- und 380 s/w-Abbildungen
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
Köln, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2004
ISBN 3-901107-44-4

Spanisches Textheft Hg. Tapies Foundation, Barcelona

Links
www.foundation.generali.at