Wirkliches Leben? Ein Panorama der Sammlungen

Das Museum der Moderne Salzburg stellte unter der Thematik Wirkliches Leben? eine Befragung der Lebenswelten aus unterschiedlichen Blickwinkeln und über verschiedene Kontinente und Zeiträume in einem Panorama der Sammlungen an. Es handelte sich um die dritte Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Generali Foundation als Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Eine Auswahl aus dieser renommierten Sammlung mit Schwerpunkt auf Post-Minimal Art und konzeptueller und feministischer Kunst wurde erneut in einen thematischen Zusammenhang mit anderen Beständen, insbesondere museumseigenen Werken der Druckgrafik und Fotografie, sowie mit Malerei und Skulptur aus der Sammlung MAP gestellt. In der neuen Rotation eröffnete ein Parcours aus 130 Werken von 26 Künstlerinnen und Künstlern aus sieben Ländern unterschiedliche Perspektiven auf Realitäten des Lebens. VALIE EXPORT, die mit zentralen Werken in der Sammlung Generali Foundation vertreten ist, war ein eigener Raum mit ihren Expanded Cinema-Werken gewidmet. Als besonderer Höhepunkt wurde ihre Mitte der 1970er-Jahre konzipierte Videoinstallation Zeitlücken – Raumspalten (1973/2015) für die Ausstellung erstmals realisiert.

Francisco de Goyas Zyklus Los Caprichos (1793–1799) steht für eine kraftvolle Matrix, die der Ausstellung insgesamt zugrunde lag. Obgleich der Titel „Augenblicke der unbeschwerten Laune“ und „Einfälle“ verheißt, zeigt Goya in diesen Radierungen Geschlechterkampf, Kuppelei und Machtmissbrauch: ein Leben, das nicht in klaren Unterscheidungen aufgeht. Fragen, die daraus resultieren, waren auch in anderen Arbeiten zu finden. Andrea Frasers Textinstallation Kunstvermittlung (1995) stellte Fragen wie: „Was machen Sie denn in Ihrem Leben? Glauben Sie, dass Ihre Arbeit, Ihr Leben, Ihre Gedanken etwas Besonderes oder Wichtiges sind?“ Maria Eichhorn hingegen fragte in Arbeit/Freizeit (1994–1996): „Sammeln Sie etwas? Was wollten Sie als Kind einmal werden?“ Und in Kerry Tribes Videoinstallation Here & Elsewhere (2004) erörterte der britische Filmtheoretiker Peter Wollen mit seiner zehnjährigen Tochter Audrey Fragen wie „Steht Licht still oder bewegt es sich?“ oder „Glaubst du, dass ein Bild existiert?“. Um Wirklichkeit zu verändern, sollten nicht nur spezifische Fragen gestellt werden, es müssen bestehende Probleme und Konflikte auch bewusst wahrgenommen werden. Adrian Piper, die kürzlich auf der 56. Biennale di Venezia mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, thematisierte das eindrucksvoll in ihrer zweiteiligen Installation Black Box/White Box (1992) über einen rassistischen Vorfall 1992 in Los Angeles. Sanja Iveković’ Bild- und Textmontagen aus der Mitte der 1970er-Jahre erzählten währenddessen vom „bitteren”, aber auch von einem „süßen“ Leben im ehemaligen Jugoslawien. Die Ausstellung enthielt unter anderem auch Dan Grahams gefeierte Installation New Design for Showing Videos (1995) und eine Werkgruppe von Edward Krasiński, darunter seine bekannten Interventionen mit blauem Klebeband.


26. April – 4. Oktober 2015
Museum der Moderne Salzburg 
Mönchsberg, Ebene 2
Salzburg, AT

Mit Werken von
Dara Birnbaum, Maria Eichhorn, Isa Genzken, Francisco de Goya, Dan Graham, Jörg Immendorff, Sanja Iveković, Joan Jonas, Birgit Jürgenssen, John Knight, Eustachy Kossakowski, Edward Krasiński, Richard Kratochwill, Franz Xaver Kulstrunk, Elisabeth Kraus, Paul McCarthy, Tony Oursler mit Sonic Youth, Adrian Piper, Gerwald Rockenschaub, Martha Rosler, Gerhard Rühm, Kerry Tribe, Franz West, Heimo Zobernig, und speziellen Präsentationen von VALIE EXPORT und Andrea Fraser

Kuratorinnen
Sabine Breitwieser, Direktorin, Museum der Moderne Salzburg
Petra Reichensperger, Kuratorin Sammlung Generali Foundation

Presented by
Generali Foundation

Links
www.museumdermoderne.at