Diese umfangreiche Werkschau des gefeierten südafrikanischen Künstlers William Kentridge (1955 Johannesburg, ZA) erstreckte sich auf beide Häuser des Museums samt deren Treppenhäuser. Am Mönchsberg waren eindrucksvolle, raumfüllende Videoinstallationen und eine neue Installation auf der Treppe zu sehen. Im Rupertinum im historischen Stadtzentrum, gleich gegenüber vom Haus für Mozart, wo Kentridge im Sommer Alban Bergs Oper Wozzeck für die Salzburger Festspiele inszenierte, stand erstmals seine Arbeit für das Theater und die Oper im Zentrum einer eigenen Ausstellung. Im Atrium des Rupertinum war ebenfalls eine neue Installation des Künstlers zu sehen, die ein Jahr lang ausgestellt blieb.
William Kentridge wurde in den 1990er-Jahren mit expressiven, in Videos animierten Zeichnungen bekannt. Seine Drawings for Projection erzählen über die Auswirkungen von europäischem Imperialismus und Kolonialismus auf Afrika, im Speziellen auf seine Heimat Südafrika. Als ausgebildeter Schauspieler arbeitet Kentridge seit vielen Jahren erfolgreich an Opern- und Theaterproduktionen. Seine enge Beziehung zum Theater, für das er als Schauspieler, Produzent, Bühnenbildner und Kostümdesigner tätig ist, fließt in seine Arbeit als bildender Künstler ein.
In der Ausstellungssektion auf der Ebene 4 am Mönchsberg wurden acht raumfüllende Multimedia-Installationen präsentiert. Darunter waren 7 Fragments for Georges Méliès (2003), eine Hommage an den französischen Pionier des Stummfilms; die spektakuläre, 2012 für die documenta 13 in Kassel entstandene Arbeit The Refusal of Time über das Verhältnis der Menschen zum Phänomen Zeit als Form politischer und gesellschaftlicher Herrschaft; und O Sentimental Machine (2015, produziert für die Istanbul Biennale) über das Exil des russischen Revolutionärs Leo Trotzki in der Türkei. Eine Auswahl an Tapisserien und Objekten sowie ein Leseraum mit zahlreichen Publikationen von und über William Kentridge ergänzten die Ausstellung. Im Auditorium war die zehnteilige Videoreihe Drawings for Projection (1989–2011) zu sehen.
Die Ausstellung im Rupertinum war Kentridges Auseinandersetzung mit dem Theater und der Oper gewidmet. Gezeigt wurde eine Fülle von Exponaten, darunter Plakate, Zeichnungen, Entwürfe, Modelle und Kostüme, die seit den späten 1970er-Jahren für seine wichtigsten Produktionen entstanden sind. Höhepunkte waren die Architekturmodelle für die Inszenierungen von Claudio Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria (1998/2017, produziert für die Wiener Festwochen und das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel), und Preparing the Flute (2004/2005, inszeniert für La Monnaie, Brüssel) sowie das Originalbühnenbild seiner Inszenierung von Dmitri Schostakowitsch Die Nase (2010, produziert von der Metropolitan Opera, New York).
In der Franz-West-Lounge des Rupertinum stand dem Künstler ein Studio zur Verfügung, das zeitweise für das Publikum öffentlich zugänglich ist. William Kentridges letzte Arbeitsschritte an seiner Inszenierung von Alban Bergs Oper Wozzeck für die Salzburger Festspiele, die am 8. August 2017 Premiere hat, konnten dort nachgespürt werden.
Foto © Rainer Iglar
29. Juli – 5. November 2017
Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg, Ebene 4 & Rupertinum Salzburg, AT
Weitere Stationen
Whitechapel Gallery, London: 21. September 2016 – 15. Januar 2017
Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk: 16. Februar – 18. Juni 2017
The Whitworth Art Gallery, Manchester: 21. September 2018 – 3. März 2019
Kuratorinnen
Sabine Breitwieser, Direktorin
mit Tina Teufel, Kuratorin
Beratende Kuratorin für Theater
Denise Wendel-Poray, Paris
Ausstellungsarchitektur
Sabine Theunissen, Brüssel
Thick Time wurde in Zusammenarbeit mit Whitechapel Gallery, London, dem Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, und The Whitworth, Manchester, produziert, und von Iwona Blazwick und Sabine Breitwieser kuratiert.
Ausstellungskatalog
Hrsg. Iwona Blazwick und Sabine Breitwieser
William Kentridge. Thick Time. Installations and Stagings
Aufsätze von Homi Bhabha, Iwona Blazwick, Sabine Breitwieser, Michael Juul Holm, William Kentridge, Joseph Leo Koerner und Denise Wendel-Poray
Klappenbroschur, 28,5 × 24,5 cm, 256 Seiten, 315 Farbabbildungen
Englische Ausgabe London, Whitechapel Publications, 2016 (out of print)
ISBN 9-780-854882-50-2
Deutsche Ausgabe München, Hirmer Verlag, 2017
ISBN 9-783777427-14-0














