Diese Ausstellung für den öffentlichen Raum mit durchwegs neu beauftragten Werken wurde zum Experiment, inwieweit Öffentlichkeit den von Hanna Arendt beschriebenen „Erscheinungsraum“ als politisch organisierten Raum heute tatsächlich noch bieten kann. Dabei wurde ein Bogen gespannt von kollektiven Modellen über Veränderungen der psycho-geografischen öffentlichen Sphäre bis zum Werk, bei dem künstlerische Autorschaft auf ein Skript reduziert ist und das Werk von anderen realisiert wird.
Die Utopie als Denkraum, das Monument als Erinnerungsraum: Kunst außerhalb der Museen und Galerien und zugleich diese beiden imaginären Räume aufgreifend, spielt in der Geschichte des steirischen herbst eine große Rolle und ist doch in den letzten Jahren zunehmend in Verruf geraten. Während das in zwei Etappen angelegte Ausstellungsprojekt Utopie und Monument 2009 die Privatisierung des öffentlichen Raums untersuchte, wandte es sich im Jahr darauf der Frage zu, auf welche Weise sich Kunst im öffentlichen Raum den Blicken anderer aussetzt und zugleich deren Gegenwart bedarf: Welche Transfers, welche Interventionen, aber auch welches Verschwinden beharren darauf, den gemeinsam Raum zu teilen?
Wie gehen Künstlerinnen und Künstler mit dieser Situation des Exponierens (als politischem Akt?) um, wie reagieren sie auf die an sie gestellten Erwartungen und vielfältigen Interessen? Welche spezifischen Fähigkeiten zur Gestaltung von Denkmälern, Skulpturen, Monumenten bringen sie mit – also für Interventionen, die öffentliche Wirksamkeit, ein politisches Terrain gemeinschaftlicher Angelegenheiten erzeugen sollen? Auf welche Netzwerke und bewährten Kooperationen greifen sie dabei zurück? Brauchen sie trickreiche PR-Strategien, um die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit im öffentlichen Raum überhaupt erst zu erzeugen?
Der Ausstellungsführer enthält ein Kunstwerk von Andrea Fraser.
© steirischer herbst, Foto Wolfgang Silveri
24. September – 2. November 2010
steirischer herbst
Graz, AT
Mit Werken von
Armando Andrade Tudela (PE/DE), Kader Attia (F/DE), Ângela Ferreira (MOZ/PT/SA), Andrea Fraser (US), Isa Genzken (DE), John Knight (US), Jutta Koether (DE), Kooperative für Darstellungspolitik (DE), Heather und Ivan Morison (GB), Paulina Olowska (PL), Michael Schuster (AT), Ruby Sircar mit Student*innen des Institut für zeitgenössische Kunst, Technische Universität Graz und sozYAH (Anja Eder & Sabine Haring) vom Centrum für Sozialforschung, Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz
Kuratorin
Sabine Breitwieser
Produktion
steirischer Herbst Graz, Intendantin Veronika Kaup-Hasler
Links
steirischer herbst
Ausstellungsführer
Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser und steirischer herbst, Graz, 2010
Utopie und Monument
Aufsätze von Sabine Breitwieser, Simone Hain, Diederich Diederichsen/Christine Frisinghelli, Jürgen Bock, Reinhard Braun, Juli Carson, Alice Creischer/Andreas Siekmann/Werner Rügemer, David Crowley, T.J. Demos, Claire Doherty, Silvia Eiblmayr, Andrea Fraser, Martin Fritz, Emiliano Gandolfi, Sören Grammel, David Joselit, Doreen Mende, André Rottmann, Ruby Sircar, Beate Söntgen, Michael Zinganel
Hardcover, 27 × 22,5 cm, 223 Seiten, zahlreiche Abbildungen, enthält zwei Künstler-Booklets
Wien-New York: Springer Verlag, 2010
Deutsch ISBN 978-3-7091-0807-9
Englisch ISBN 978-3-7091-0772-0














