Utopie und Monument I. Über die Gültigkeit von Kunst zwischen Privatisierung und Öffentlichkeit

Ausstellung für den öffentlichen Raum

Utopie und Monument war als zweijähriges Projekt für den steirischen herbst 2009 und 2010 angelegt und griff die Frage nach der Gültigkeit von Wertesystemen auf. In dieser Ausstellung für den öffentlichen Raum wurden provokant zwei Begriffe zur Disposition gestellt, die aus der Debatte um Öffentlichkeit weitgehend verschwunden waren: die Utopie als Möglichkeits- und das Monument als Erinnerungsraum. Denn beides sind Portale in mögliche andere Organisationsformen von Öffentlichkeit, die uns erlauben, immer wieder aufs Neue zu fragen, wem der öffentliche Raum denn eigentlich gehört.

Utopien und Monumente, beide wurden in den letzten Jahren überaus kritisch analysiert, ihre Gültigkeit bestritten, wenn nicht bekämpft, insbesondere in Beziehung zu Kunstwerken. Im Gefolge dieser Kritik ersetzten zeitgenössische Künstler*innen, die im und mit dem öffentlichen Raum arbeiten, ihre Werke zunehmend durch Kommunikations- und Handlungsobjekte. Es etablierte sich eine Form von öffentlicher Praxis, die den Gegensatz zwischen Kunst und Öffentlichkeit tendenziell aufzuheben versucht.

Doch gerade der öffentliche Raum hat sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert und ist zu einem Spielball ökonomischer Interessen geworden. Es scheint, dass jegliche Gegensätze, die Öffentlichkeit eigentlich bedingen und die in ihr ausgetragen (oder aus ihr verdrängt) werden, neu zu formulieren sind – und mit ihnen die Möglichkeiten eines Zugriffs durch die Kunst. Wie lässt sich angesichts dieser Situation die Gültigkeit von Kunst als maßgeblichem Feld gesellschaftlicher Auseinandersetzung weiterhin behaupten? Lässt sich Öffentlichkeit als ein Raum für Debatten gleicher Gültigkeit, für „Gerede“, Meinungen und Interessen überhaupt noch zurückgewinnen, nachdem dieser dermaßen kommerziell „regiert“ wird?

Der Ausstellungsführer beinhaltet ein Kunstwerk von Michael Zinganel.

Foto © steirischer herbst und Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2009

25. September – 19. Oktober 2009
steirischer herbst
Graz, AT

Mit Werken von
Lara Almarcegui (ES/NL), Nairy Baghramian (IR/DE), Ayse Erkmen (TR/DE), Kooperative für Darstellungspolitik (Jesko Fezer, Anita Kaspar, Andreas Müller) (DE), David Maljkovic (HR/DE), Heather und Ivan Morison (TR/GB), Nils Norman (GB), Andreas Siekmann (DE), Michael Zinganel (A), Dolorez Zinny/Juan Maidagan (AR/DE)

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Produktion
steirischer Herbst Graz, Intendantin Veronika Kaup-Hasler

Download
Ausstellungsführer

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser und steirischer herbst, Graz, 2010
Utopie und Monument
Aufsätze von Sabine Breitwieser, Simone Hain, Diederich Diederichsen/Christine Frisinghelli, Jürgen Bock, Reinhard Braun, Juli Carson, Alice Creischer/Andreas Siekmann/Werner Rügemer, David Crowley, T.J. Demos, Claire Doherty, Silvia Eiblmayr, Andrea Fraser, Martin Fritz, Emiliano Gandolfi, Sören Grammel, David Joselit, Doreen Mende, André Rottmann, Ruby Sircar, Beate Söntgen, Michael Zinganel
Hardcover, 27 × 22,5 cm, 223 Seiten, zahlreiche Abbildungen, enthält zwei Künstler-Booklets
Wien-New York: Springer Verlag, 2010
Deutsch ISBN 978-3-7091-0807-9
Englisch ISBN 978-3-7091-0772-0

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steirischer herbst