Up to and Including Limits: Nach Carolee Schneemann

Diese Ausstellung nahm das innovative und einflussreiche Werk der verstorbenen amerikanischen Künstlerin Carolee Schneemann (1939–2019) als Ausgangspunkt, um zu zeigen, welchen Widerhall es in den nachfolgenden Generationen von Künstler*innen findet. Anhand von rund sechzig Arbeiten von 13 Künstler*innen und Kollektiven konnte untersucht werden, ob bestimmte mediale und thematische Grenzen in der zeitgenössischen Kunst nach wie vor ein Thema sind. Die Werke waren in der Ausstellung als Rundgang über vier Geschosse sowie im Museumsrestaurant in Dialog mit zehn zentralen Arbeiten von Schneemann eingerichtet. Während die von ihr ausgestellten Werke bis in die 1950er-Jahre zurückreichten, datierte die Auswahl der auf sie folgenden Generationen von den 1980er-Jahren bis in die Gegenwart. Ähnlich wie die multidisziplinäre Arbeitsweise von Schneemann, umspannte die Ausstellung Werke in verschiedenen Medien, die von Malerei, Assemblage und Skulptur über Fotografie, Film und Video bis Performance-Kunst reichen. Zur Eröffnung und während der Dauer der Ausstellung fanden mehrere Live-Aufführungen statt.

Obwohl Carolee Schneemann ihre Kunst medial ständig radikal erweiterte und in mehreren Disziplinen arbeitete, betrachtete sie sich stets als Malerin. Während sie in ihren frühen Gemälden und Assemblagen auf der Suche nach Frauenvorbildern war, schuf sie bald eigene und neue Kunstformen mit einer Malerei, die sie wortwörtlich in Bewegung setzte. Schließlich brachte sie ihren eigenen Körper in umfangreichen Choreografien und Installationen in mehreren Medien ein. Sie prägte dafür den Begriff des „kinetischen Theaters“. Ihr Ziel war es, die Malerei über die Leinwand und das Medium der Malerei hinauszutragen, ins Leben. Zugleich fragte sie sich „kann ich zugleich Bild und Bilderzeugerin sein?“ und schuf experimentelle fotografische und filmische Arbeiten über sich selbst. Während in der Kunst die Frau meistens aus männlicher Perspektive und oft nackt repräsentiert ist, wurde Schneemann damit berühmt, indem sie Themen wie Sexualität und Lust aus der Perspektive einer Frau in die Kunst einführte. Miteingeschlossen in diese kritische Reflexion war auch ihre eigene Rolle in der Gesellschaft und ihr Kampf um Anerkennung als Künstlerin.

Aus heutiger Betrachtung stellte sich die Frage, wie nach den bahnbrechenden Umwälzungen in den 1960/70er-Jahren mit Schneemann als Pionierin unter den feministischen Künstlerinnen, Themen der medialen Erweiterung und des emanzipierten Körpers in der Kunst bearbeitet werden. Welche Veränderungen erfuhr inzwischen die Darstellung des Körpers, insbesondere unser Verständnis davon? Welche neuen Fragen wurden aufgeworfen, wenn Künstler*innen mit dem Körper arbeiten oder diesen in seinem sozialpolitischen Zusammenhang thematisieren? Konnte die Generation „nach Carolee Schneemann“ die Nutzung von künstlerischen Medien, der Körper des/der Künstler*in miteingeschlossen, und ihre Methoden weiter innovativ ausbauen?

Schneemanns Kunst war experimentell und ihrer Zeit voraus, einige Arbeiten wurden als provokativ aufgefasst und riefen Kontroversen hervor. Diese Ausstellung gab Gelegenheit zu überprüfen, wie wir heute mit neuen Erscheinungsformen und Inhalten von Kunst, mit Bildern von Nacktheit und Sexualität insbesondere des weiblichen Körpers umgehen, während letztere im öffentlichen Medienraum bereits omnipräsent sind.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2024

28. Dezember 2019 – 19. Juli 2020
Muzeum Susch
Susch, CH

Mit Werken von
Matthew Barney, Chicks on Speed, Katrina Daschner, Andrea Fraser, Mette Ingvartsen, Ragnar Kjartansson, Elke Krystufek, Kris Lemsalu, Sarah Lucas, Paulina Ołowska, Lia Perjovschi, Pipilotti Rist, Aura Rosenberg, und Carolee Schneemann

Kuratorin
Sabine Breitwieser

Links
www.muzeumsusch.ch
Ausstellungsbooklet