Rereading. Post-Partum Document. Mary Kelly

1998 wurden erstmals alle sieben Sektionen des Post-Partum Dokument von Mary Kelly, die Einleitung sowie die Dokumentationen I-VI, welche in den Jahren 1973–79 entstanden sind, gemeinsam ausgestellt. Aus diesem Anlass wurde von der Generali Foundation eine erweiterte Fassung der Erstausgabe des 1983 verlegten und seit einiger Zeit vergriffenen Post-Partum Dokument-Buches herausgegeben. In dieser Ausstellung wurden weiters Arbeiten gezeigt, die mit Post-Partum Dokument in engem Zusammenhang stehen: der Film Antepartum (1972–73), die Fotoserie Primapara (1974) sowie Materialien aus dem Archiv von Mary Kelly. Diese wurden von Juli Carson zusammengestellt und in acht Vitrinen nach verschiedenen Themenbereichen gruppiert. Parallel zur Ausstellung in der Generali Foundation fanden Vorträge zur Konzeption, zum Kontext sowie zur historischen und aktuellen Rezeption von Post-Partum Dokument statt. Diese Beiträge sind gemeinsam mit weiteren Texten in dieser Publikation veröffentlicht.

Post-Partum Dokument zählt zu den zentralen Werken der 1970er-Jahre. 22 Jahre nach der kontrovers aufgenommenen Ausstellung der Dokumentationen I-III im ICA in London spielt dieses Werk im aktuellen Diskurs wieder eine wichtige Rolle. Fragen der Konzeptkunst, gegenüber welcher Kelly eine provokante Haltung eingenommen hat, sowie des Bildnisses des (weiblichen) Körpers in der Kunst können am Beispiel von Post-Partum Dokument neu verhandelt werden. Zum anderen rufen die gesellschaftspolitischen Aspekte dieser Arbeit wieder großes Interesse hervor.

Hintergrund dieses, im Zeitraum von sieben Jahren entstandenen künstlerischen Projektes ist die theoretische und politische Praxis der Frauenbewegung der 1970er-Jahre in Großbritannien. Mary Kelly lebte zu dieser Zeit in London und war als Gründungsmitglied und erste Präsidentin der Artists Union in diese Bewegung stark involviert. Innerhalb dieser Vereinigung hat sich Kelly mit einer Gruppe von Künstlerinnen im „Women’s Workshop“ organisiert, der Kontakte zu Frauen anderer Berufssparten geknüpft hat. Women and Work, das Ergebnis einer zweijährigen Studie über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in einer Konservenfabrik im Süden von London, war eines der Projekte, die daraus hervorgingen, und wurde als Ausstellung 1975 an mehreren Orten in Großbritannien gezeigt. Post-Partum Dokument ist innerhalb dieses diskursiven Verbandes in einem relativ langen Zeitraum entstanden. In jedem einzelnen Werkabschnitt kann daher der von Mary Kelly jeweils aktuell reflektierte Stand der Theorie sowie des Diskurses der aufkommenden Frauenbewegung nachvollzogen werden.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2024

Herausgegeben von
Sabine Breitwieser
für die Generali Foundation
Wien, 1999

Texte von
Vorwort Dietrich Karner, Einleitung Sabine Breitwieser, Interview Juli Carson mit Mary Kelly, Texte Isabelle Graw und Griselda Pollock, Statements Silvia Eiblmayr, Dan Graham, Renée Green, Simon Leung, Susanne Lummerding und Dorit Margreiter

Grafische Gestaltung Dorit Margreiter
24 x 19 cm, 308 Seiten, ca. 33 Farb- und 60 s/w-Abbildungen
Broschur, Deutsch/Englisch
ISBN 3-901107-25-8

Links
www.foundation.generali.at