Reorganizing Structure by Drawing Through it. Drawing by Gordon Matta-Clark

Diese erste umfangreiche Ausstellung über das innovative zeichnerische und konzeptuelle Werk des amerikanischen Künstlers Gordon Matta-Clark (1943–1978 New York, US) umfasste mehr als 600 Arbeiten, praktisch dessen komplettes zeichnerisches Œuvre, das erstmals in großen Stil erschlossen wurde. Matta-Clark, der durch seine „Cuttings“ – Transformationen von Gebäuden mittels Schnitten und Extraktionen von Teilen – bekannt geworden ist, arbeitete während seiner gesamten Schaffenszeit mit dem Medium Zeichnung. Während in der großen Halle die frühen Zeichnungen in ihrer Entwicklung und energiegeladenen Fülle präsentiert wurden, bildeten in der kleinen Ausstellungshalle Skizzen, Pläne, Fotografien und Objekte seiner Projekte eine Retrospektive dieses beeindruckenden und unverwechselbaren Werks.

Ausgehend von seinen ökologischen Anliegen und dem Einfluss der Land-Art Bewegung thematisierte Matta-Clark in seinen ersten Zeichnungen Bäume. Daraus entwickelte er Architekturen, Piktographien, Pfeile, Kalligraphien und Zeichnungen voller Energie und Bewegung. Mit den sogenannten „Cut Drawings“ führte er den Schnitt als zeichnerisch-skulpturale Technik ein. In den Worten des Künstlers„eine Art zu zeichnen, so wie man Skulpturen macht“. Als ausgebildeter Architekt konzipierte Matta-Clark alle seine Projekte über die Zeichnung. „Ein einfacher Schnitt oder eine Serie von Schnitten fungieren“, so der Künstler, „als kraftvolle Zeichnung und re-definieren räumliche Situationen und strukturelle Einheiten“. Im letzten Jahr vor seinem frühen Tod entstanden die sogenannten „Wolkenbügel“ (1978), Entwürfe für sog. „Ballongebäude“. Matta-Clark wollte eine Architektur schaffen, in deren Zentrum der menschliche Körper stehen sollte.

Für seine prozesshaften und oftmals nicht beständigen Werke nutzte Matta-Clark mit Vorliebe Fotografie und Film. In diesen Werken kommt der experimentelle Charakter seiner Arbeit, aber auch der innovative Umgang mit diesen Medien zum Ausdruck. In den Filmen über seine Cuttings wurde der Arbeitsprozess selbst, die Öffnung und Begehung der transformierten Gebäude durch das Publikum und die damit verbundenen Gefahrenmomente integrierter Bestandteil. Matta-Clark setzte Film und Video aber auch als eigenständige Medien ein, z. B. als Instrument der Überwachung in Chinatown Voyeur (1971) oder zur Erforschung des Untergrunds der Städte New York und Paris in Substrait (1976) und Sous-sols de Paris (1977). Vor laufender Kamera führte er außerdem eine Reihe von Performances durch. Ein Jahr vor der Ausstellung wurden in Zusammenarbeit mit dem Trust und einigen anderen Institutionen Matta-Clarks Filme restauriert und für die Sammlung der Generali Foundation erworben.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 1997

7. Mai – 10. August 1997
Generali Foundation

Wien, AT

Weitere Stationen
Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA), ES: 16. Januar – 15. März 1998
P.S.1– MoMA Affiliate, Contemporary Art Center, New York, US: 26. April – 20. August 1998
Westfälisches Landesmuseum, Münster, DE: 3. Oktober 1999 – 2. Januar 2000

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Ausstellungsproduktion: Daniela Stern
Mitarbeit Werkverzeichnis: Andrea Überbacher

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien 1997
Reorganizing Structure by Drawing Through it. Drawing by Gordon Matta-Clark
Vorwort Dietrich Karner, Texte Sabine Breitwieser, Peter Fend und Pamela M. Lee
Grafische Gestaltung Mathias Poledna
28 × 21,6 cm, 296 Seiten, 243 Farb-, 548 s/w Abbildungen
Klappenbroschüre, Deutsch/Englisch
Köln, Verlag der Buchhandlung Walther König, 1997 (gebundene Ausgabe)
ISBN 3901107185

Links
www.foundation.generali.at