In diesem größer angelegten Projekt der Generali Foundation zu den Anfängen von Kunst und elektronischen Medien in Österreich wurden erstmals die österreichischen Leistungen im internationalen Kontext samt ihrer Vernetzung dargestellt. In Form einer Ausstellung, die sich sowohl ins Fernsehen als auch ins Radio und Internet ausdehnte, eines Archivs sowie einer parallel dazu erschienenen Publikation wurden künstlerische Produktionen, Ausstellungen und Veranstaltungen in Österreich, die überwiegend international besetzt waren, wieder zugänglich gemacht und dokumentiert.
Die Entwicklung der Kommunikations- und Aufzeichnungstechnologien nach dem Zweiten Weltkrieg weckte das Interesse der Künstler*innen am ästhetischen, politischen und sozialen Einfluss der Massendistribution sowie der globalen Kommunikation. Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre begannen auch Künstler*innen in Österreich, teilweise vom Aktionismus und Expanded Cinema kommend, mit den damals auf den Markt gelangten, audio-visuellen Heimtechnologien zu experimentieren. Die Pionier*innen der österreichischen Medienkunst waren in den internationalen Informationsfluss über aktuelle Entwicklungen in der Kunst voll eingebunden und sammelten selbst im Ausland Erfahrungen bzw. kontextualisierten ihre eigenständigen Ansätze mit jenen der internationalen Künstler*innen, vornehmlich aus Deutschland und Nordamerika.
Im Zuge einer Vielzahl von international zum Teil hochkarätig besetzten Veranstaltungen in Österreich tritt die Ausstellung audiovisuelle Botschaften (1973) in der „Trigon“-Reihe in Graz hervor. In dieser ersten internationalen Manifestation zur Videokunst in Europa waren neben Projekten aus Österreich, Italien und Jugoslawien („Trigon“-Gedanke) erstmals eine Auswahl an Videos aus den USA zu sehen. Neben einer Erweiterung des Materialbegriffs und damit einhergehend einer de-materialisierten, mediatisierten Kunst, rückten die Dynamisierung des Verhältnisses zum Rezipienten, einer Neudefinition des Werk- und schließlich des Autor*innenbegriffs sowie die Entwicklung alternativer Produktions- und Distributionsmöglichkeiten ins Zentrum. Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre fanden diese in zum Teil von Österreich aus initiierten internationalen Telekommunikationsprojekten eine theoretische und praktische Zuspitzung.
Mit einer Reihe von spartenübergreifenden Veranstaltungen zur Performance- und Medienkunst, zu Theorie und Kunst, in sogenannten Informationsgalerien und nicht-kommerziellen Institutionen wurden Wien, Graz und Innsbruck in den 1970er-Jahren zu wichtigen Stationen für viele der heute bekanntesten internationalen Künstler*innen, während österreichische Medienkünstler*innen immer häufiger zu wichtigen Ereignissen des internationalen Kunstbetriebs eingeladen wurden. Schließlich wurde Anfang der 1980er-Jahre in Österreich eine junge Generation von Künstler*innen vorgestellt, die ganz selbstverständlich mit den verschiedensten neuen Medien und dem internationalen Kunstbetrieb umging. 1979 hat in Linz das erste Ars Electronica Festival das Thema Kunst und Technologie auf eine neue Art für ein breiteres Publikum vor Ort sowie für ein internationales Fachpublikum aus Kunst, Wissenschaft und Technik aufbereitet.
Neben Video- und Audioinstallationen waren in RE-PLAY zahlreiche Videobänder sowie Soundarbeiten von ca. 20 österreichischen und 50 internationalen Künstler*innen zu sehen. Eine Vielzahl der Werke wurde dazu restauriert oder rekonstruiert. Der Österreichische Rundfunk (ORF) respektive die Sendungen Kunst-Stücke und Kunstradio, sowie Kunstradio online, fungierten sowohl als mediale Außenstellen als auch als eigene Sektion in der Ausstellung RE-PLAY. Neben einem Live-Feature zur Ausstellungseröffnung wurden in Fernsehen, Radio und Internet historische Werke gesendet, teilweise als Premiere, da einige nie ausgestrahlt worden sind. Umgekehrt waren Arbeiten aus den Bild- und Tonarchiven des ORF in Ausstellung in der der Generali Foundation präsent. Die Ausstellungssektion mit Einkanalvideos wurde in einem Display von Heimo Zobernig präsentiert.
Mit Werken von
Vito Acconci/US, Robert Adrian X/CA/AT, Laurie Anderson/US, John Baldessari/US, Gottfried Bechtold/AT, Stephen Beck & Warner Jepson/US. Lynda Benglis/US, Trisha Brown/US, Norbert Brunner/AT, Hank Bull/CA, Peter Campus/US, Ernst Caramelle/AT, Patrizia Caire/Günther Schrom/AT, CCMC (Peter Anson, Larry Dubin, Nobuo Kubota, Allan Mattes, Michael Snow, Casey Sokol)/CA, Colette/Peter Gordon/US, Francesco Agnetti/Gianni Colombo/IT, Axel Corti/AT, Merce Cunningham/US , Douglas Davis/US. Georg Decristel/AT, Peter Downsbrough/US/BE, Ed Emshwiller/US, Wolfgang Ernst/AT, VALIE EXPORT/AT, Flatz/AT/GER, Hermine Freed/US, Terry Fox/US, Dale Frank/AUS, Bill Furlong/GB, Ladislav Galeta/YU, Wilhelm Gaube/AT, Genera ldea/CA, Bob George/US, Jochen Gerz/GER, Tina Girouard/US, Roland Goeschl /AT, Jack Goldstein/US, Dan Graha /US, Peter Grass/US, Horst Gerhard Haberl/AT, Lotte HendrichHassmann/AT, Hermann Hendrich/AT, Gazi Herzog/AT, Julia Heyward/US, Klaus Hoffer/AT, Dragan llic /AUS, Sanja lvekovic/Dalibor Martinis/CR, Joan Jonas/US, Angelika Kaufmann/GER, Allan Kaprow/US, Milan Knizak/CZ, kollektive Telekommunikationsprojekte, Renate Kowanz-Kocer/AT, Karl Kowanz/AT, Richard Kriesche/AT, Shigeko Kubota/US, Richard Landry/US, Charles Loeffler/Bob Gaglioni/US, Herr Lugus/AT, Tom Marioni/US, Albert Mayr/IT, Bruce McLean/GB, Robert Morris /US, Antonio Muntadas/US, lan Murray/CA, Maurizio Nanucci/IT, Bruce Nauman/US, Juan Navarra Baldeweg/ESP, Hermann Nitsch/AT, Muriel Olesen/CH, Yoko Ono/US, Dennis Oppenheim/US, Nam June Paik/J/US, Friederike Pezold/AT, Arnulf Rainer/AT, Patrick Ready/CA, Ulrike Rosenbach/GER, Dieter Roth/CH, Gerhard Rühm/AT, R. Murray Schafer/CA, Michael Schuster/AT, Richard Serra/US, Tom Sherman/US/CA, Katharina Sieverding/GER, Hartmut Skerbisch/AT, Michael Snow/US, Throbbing Gristle/GB, Rasa Todosiewiz/YU, Goran Trbuljak/CR, David Troostwyk/GB, Ferry Unger/AT, Franco Vaccari/IT, Franz Vana/AT, William Wegman/US, Peter Weibel/AT, Lawrence Weiner/US , Norman T. White/CA, Monsti (Ingrid ) Wiener/AT, Oswald Wiener/AT, Hannah Wilke/US, Jana Wisniewski/AT, Otto M. Zykan/AT
Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 1998
12. Mai – 6. August 2000
Generali Foundation
Wien, AT
Kuratorinnen
Sabine Breitwieser
Co-Kuratorin Audio-Teil: Heidi Grundmann
Kuratorische Assistenz, Ausstellungsproduktion: Nadja Wiesener, Rike Frank
Kuratorische Assistenz Audio-Teil: Nina Kaltenbrunner, Elisabeth Zimmermann
Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien, 2000
RE-PLAY. Anfänge internationaler Medienkunst in Österreich/Beginnings of international Media Art in Austria
Vorwort Dietrich Karner, Einleitung Sabine Breitwieser, Texte Marie-Luise Angerer, Reinhard Braun, Timothey Druckrey, Heidi Grundmann, Gene Youngblood
Grafische Gestaltung Dorit Margreiter
24.5 × 19 cm, 506 Seiten, 450 b&w illustrations
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
Köln, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2000
ISBN 3-901107-27-4















