Pichler. Prototypen 1966–69

Die Prototypen sind eine legendäre Werkgruppe von Walter Pichler (1936 Deutschnofen, IT – 2012 Wien, AT), die von ihm in den 1960er-Jahren geschaffen und in dieser Ausstellung der Generali Foundation nach dreißig Jahren zum ersten Mal wieder öffentlich gezeigt wurden. Mit diesen Arbeiten, die im Grenzbereich von Architektur, Design und Skulptur angesiedelt sind und vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und technischen Neuerungen der 1960er-Jahre entstanden sind, erlangte Pichler internationale Aufmerksamkeit. 1967 wurden die Prototypen zunächst in der Galerie im Taxispalais in Innsbruck und in der Galerie nächst St. Stephan in Wien und bereits ein Jahr darauf bei der Documenta 4 in Kassel gezeigt. Internationale Medien wie Domus, Architecture d’aujourd’hui und die innovative österreichische Architekturzeitschrift Bau veröffentlichten damals Beiträge über diese Werkgruppe.

Pichler verwendete für die Prototypen zu dieser Zeit noch neue Materialien, wie Acrylglas, Aluminium und Polyester sowie pneumatische Elemente aus PVC und sogar audiovisuelle Komponenten. Mit der gewählten Bezeichnung betonte er den Laborcharakter der Arbeiten, die von ihm handgefertigt sind, aber als ‚Prototypen‘ eine maschinelle Serienproduktion implizieren. In einzelnen Plastiken, wie der TV-Helm, auch genannt Das tragbare Wohnzimmer, der Kleiner Raum (Prototyp 4) oder das Telefonset, demonstrierte er in Form von ‚Isolationszellen‘ oder als monumentalisierte Designobjekte seine Sicht auf die damals neuen Medien wie Fernsehen oder Telekommunikation. In der frühen Verwendung von aufblasbaren Konstruktionen zeigt sich erneut Pichlers unverwechselbare Sprache, der Haut und Kleidung als generische Formen von Architektur verstand. Ebenso signifikant bei den einzelnen Prototypen ist, dass diese die eine potenzielle Benutzung evozieren, was sich in zahlreichen Fotografien aus der Entstehungszeit, die Pichler und andere Zeitgenoss*innen in Interaktion damit zeigen, spiegelt.

Nach seinen Erfolgen in einem immer geschäftiger werdenden Kunstbetrieb, zog Pichler sich Mitte der 1970er-Jahre in sein Haus in Sankt Martin im Burgenland zurück. Er wendete sich fortan seinen künstlerischen Ursprüngen als Bildhauer zu und konzentrierte sich auf die Errichtung von Gebäuden für seine Skulpturen auf seinem Grundstück. Seine Prototypen betrachtete er nachträglich mit Skepsis. Es gelang, Pichler von einer Revision dieser Werkgruppe zu überzeugen. Ein Großteil davon wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstler umsichtig restauriert. Im Zuge der Forschungstätigkeit wurde ein Archiv aufgebaut, das im Generali Foundation Studienzentrum zugänglich ist, und es wurden zahlreiche Arbeiten für die Generali Foundation Sammlung erworben.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 1998

14. Mai – 19. September 1998
Generali Foundation
Wien, AT

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Kuratorische Assistentin, Ausstellungsproduktion: Nadja Wiesener

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien, 1998
Pichler. Prototypen 1966–69
Vorwort Dietrich Karner, Interview Sabine Breitwieser von Walter Pichler, Texte Georg Schöllhammer, Oswald Wiener sowie eine Chronologie der Werke im Kontext ihrer Zeit
24,4 × 20 cm, 248 Seiten, 57 Farb-, 253 s/w Abbildungen
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
Köln, Buchhandlung Walther König (gebundene Ausgabe)
ISBN 3-901107-20-7

Links
www.foundation.generali.at.at