Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

Am Museum der Moderne Salzburg konnte ich nach mehreren Bemühungen in einer meiner letzten Ausstellungen die 1926 in Turin, Italien, geborene Künstlerin Marisa Merz mit einer fünf Jahrzehnte umspannenden Werkschau feiern. Il cielo è grande spazio / The Sky Is a Great Space war die erste Einzelausstellung von Marisa Merz in Österreich und nach über zehn Jahren im deutschsprachigen Raum.

In einem Zusammenspiel ihrer Rollen als Künstlerin, Frau und Mutter entwickelte Merz in den 1960er-Jahren eine unverwechselbare künstlerische Sprache. In für die bildende Kunst unkonventioneller Form verarbeitete sie überwiegend weiche, leicht formbare Materialien, wie Aluminium, Kupferdraht, Nylon, Wachs oder ungebrannten Ton. Die Künstlerin verstand ihre Werke nicht als autonome Objekte, die sich chronologisch entwickeln, sie betitelte nur wenige und ließ die meisten auch undatiert. Vielmehr wiederholte und transformierte sie Formen und Werkteile in wechselnden Arrangements.

Marisa Merz gilt als einzige weibliche Vertreterin der Arte Povera, zu deren Kreis auch ihr Ehemann Mario Merz (1925–2003) zählt. Die Poveristi, für deren Arbeiten im Jahr 1967 Kunstkritiker und Kurator Germano Celant den Begriff prägte, traten ausgehend von Genua, Turin und Rom mit der Verwendung von „armen“ und alltäglichen Materialien hervor. Nachdem ihre monumentale Aluminiumarbeit „Living Sculpture“ (Lebende Skulptur, 1966) zuvor in ihrer Wohnung Gestalt angenommen hatte und dort gewachsen, geradezu gewuchert war, stellte Marisa Merz diese im darauffolgenden Jahr 1967 in der Galleria Gian Enzo Sperone in Turin erstmals öffentlich aus. Obwohl Merz die Einheit von Kunst und Leben vielleicht am radikalsten artikuliert, erhielt ihr Werk sowie ihr Einfluss erst spät internationale Anerkennung.

Mit dem Ausstellungstitel ein Gedicht der Künstlerin zitierend, bot das Museum der Moderne Salzburg als erste Institution in Österreich sprichwörtlich einen „weiten Raum“ für das Werk von Marisa Merz. Der Ausstellungsrundgang begann mit den jüngsten Arbeiten und spannte, davon ausgehend, einen Bogen über Gemälde, Zeichnungen und die enigmatischen Kopf- und Gesichtsskulpturen aus den 1990er- und 1980er-Jahren, bis hin zu den künstlerischen Anfängen in den 1960er-Jahren. Erstmalig begleiteten auch Gedichte von Marisa Merz im italienischen Originaltext die Werkgruppen.

Zur Ausstellung in den USA erschien eine Publikation in englischer Sprache im Verlag DelMonico Books Prestel. Das Museum der Moderne Salzburg gab dazu einen Katalog mit einer Textauswahl in deutscher Übersetzung heraus. Am 25. Mai 2018 fand ein eintägiges Symposium unter dem Titel Women Artists Exhibition mit Präsentationen von MdMS-Direktorin Sabine Breitwieser; Connie Butler, Chief Curator, Hammer Museum, Los Angeles; Silvia Eiblmayr, Kuratorin, Wien; VALIE EXPORT, Künstlerin, Wien; Sabine Fellner & Andrea Winklbauer, Kuratorinnen, Wien, satt.

Foto © Rainer Iglar, Bildrecht 2018

25. Mai – 4. November 2018
Museum der Moderne Salzburg 
Mönchsberg, Ebene 4
Salzburg, AT

Weitere Stationen
The Metropolitan Museum of Art, New York, US: 24. Januar – 7. Mai 2017
Hammer Museum, Los Angeles, US: 4. Juni – 20. August 2017
Fundação de Serralves–Museu de Arte Contemporânea, Porto, PT: 19. Januar – 22. April 2018 (Partner für die Organisation in Europe)

In den Vereinigten Staaten organisiert von Hammer Museum, Los Angeles, und The Metropolitan Museum of Art, New York. Kuratiert von Connie Butler, Chief Curator, Hammer Museum, und Ian Alteveer, Curator, Department of Modern and Contemporary Art, The Metropolitan Museum of Art. Die Ausstellung in Europa wird gemeinsam organisiert von Fundação de Serralves–Museu de Arte Contemporânea, Porto, und Museum der Moderne Salzburg. In Zusammenarbeit mit Fondazione Merz, Turin.

Kuratorin am Museum der Moderne Salzburg
Sabine Breitwieser, Direktorin
mit Marijana Schneider, Kuratorische Assistentin

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für das Museum der Moderne Salzburg
Salzburg, 2018

Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum
Einleitung von Sabine Breitwieser, Aufsätze von Connie Butler, Marisa Merz, Lucia Re und Tommaso Trini
Klappenbroschur, 22,8 × 27,8 cm, 144 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Deutsch ISBN 978-3-200-05660-2