Maria Eichhorn. Arbeit/Freizeit

Im Gegensatz zu den, in den 1990er-Jahren in der neuen Landeshauptstadt florierenden Kunst-am-Bau-Aufträgen, wurde in diesem Projekt von Maria Eichhorn für die damalige Generali Versicherung Landesdirektion Ost in Berlin ein anderer Weg beschritten. Statt am Gebäude und dessen mit Kunst zu dekorierenden Flächen, war es an der Belegschaft ausgerichtet. Auf meine Einladung, ein Konzept für die künstlerische Ausgestaltung des Gebäudes zu erstellen, machte die Künstlerin den Vorschlag, eine Ausstellung der Belegschaft im Firmengebäude zu organisieren und damit eine Auseinandersetzung der Belegschaft mit dem BereichArbeit/Freizeit anzuregen.

Eichhorn ging es bei ihrem Projekt um den Menschen nicht in seiner Identität als Arbeitskraft, sondern in Wechselwirkung mit dem Bereich Freizeit. Lange ein Abfallprodukt der Arbeitszeit, hat Freizeit zunehmend an Bedeutung gewonnen und wird schon längst als Wirtschaftsfaktor anerkannt, das heißt wiederum zu Arbeit. Das Projekt wurde in mehreren Schritten unter Beteiligung von rund sechzig Beschäftigten umgesetzt. Zunächst wurde das Vorhaben in einer Betriebsversammlung vorgestellt und die Belegschaft wurde eingeladen, daran teilzunehmen. Ein Fragebogen sollte die Teilnehmer*innen dabei unterstützen, ihr individuelles Verhältnis zur Thematik darzustellen. Darauf sowie auf individuellen ausführlichen Gesprächen und Gruppendiskussionen basierend, konnten diese für eine Ausstellung im Firmengebäude Gegenstände vorschlagen, die „im Alltag, während der Arbeitszeit oder in der Freizeit entstanden sind“. Die Objekte konnten „gefunden, gekauft, von ihnen selbst oder von anderen hergestellt worden sein“.[1]

Zur Präsentation der Exponate gestaltete Maria Eichhorn eine große zylindrische Vitrine, die im Foyer aufgestellt wurde. Ein Aquarium und eine Pflanze, die ebenfalls vorgeschlagen wurden, gesellten sich dazu und bedurften laufender Pflege. Die dazu erschienene Künstlerinnenpublikation vervollständigt das Projekt mit Abbildungen der Beiträge und Kurzportraits der Teilnehmer*innen sowie unterschiedlichen Texten zur Thematik. Das Projekt Arbeit/Freizeit umfasst die Beiträge der Teilnehmer*innen, eine Publikation mit Textbeiträgen und das Ausstellungsdisplay.


[1] Aus dem Fragebogen in: Breitwieser, Sabine (Hg.). Maria Eichhorn. Arbeit/Freizeit.
Generali Foundation, Wien 1996.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2024

12. März 1996 – 28. Februar 2002
Ein Projekt der Generali Foundation, Wien, für die
Generali Versicherung Landesdirektion Ost

Berlin, DE

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Koordination: Daniela Stern (Wien), Monika Strasser (Berlin)

Publikation
Herausgegeben von
Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien 1996
Vorwort Hans Peer, Winfried Böttcher, Einleitung Sabine Breitwieser, Texte von Maria Eichhorn, John Miller, und Kurzportraits von Helmut Höge und Annett Gröschner
Grafische Gestaltung Frank Lutz, Maria Eichhorn
19 × 12 cm, 156 Seiten, 59 Farb- and 5 s/w Abbildungen
Broschur, Deutsch/Englisch
ISBN 3-901107-16-9

Links
www.foundation.generali.at