Isa Genzken. MetLife

Für ihre erste große Einzelausstellung in Österreich, die in der Generali Foundation, dem Kunstmuseum einer europäischen Versicherungsgesellschaft stattfand, wählte Isa Genzken (1948 Bad Oldesloe – Berlin, DE) als Titel-Sujet die New Yorker Firmenzentrale der Metropolitan Life Insurance Corporation. Die Künstlerin, die zur Zeit der Ausstellungsvorbereitung in New York lebte, in der Stadt, die sie zu einer ihrer größten Inspirationsquellen zählt, löste damit in der Generali-Zentrale eine kleinere Kontroverse aus. Ursprünglich für die Fluggesellschaft Pan American errichtet, prangt seit Ende der 1980er-Jahre[1] „MetLife“ als Schriftzug auf dem markanten Hochhaus. Nach einem Entwurf von Walter Gropius realisiert, erhebt sich der oktogonale Wolkenkratzer über dem Grand Central Terminal in Manhattan und dominiert die Park Avenue. Wie in früheren Projekten von Genzken, zeigt sich auch in der Appropriation des MetLife-Gebäudes samt dessen Aufschrift ihr unverwechselbarer Blick auf Architektur und Design, der meistens mit einem Schuss Humor versehen ist. I Love New York, Crazy City, lautet auch der Titel dreier neu entstandener Bücher mit Collagen, und so interpretierte sie auch die Aufschrift in ihrer Lieblingsstadt als „I met life“. Tatsächlich ist ein vertikaler Schnitt in der Längsachse des MetLife-Gebäudes mit dem Grundriss einer ihrer Skulpturen vergleichbar, die auch an ein Fenster oder eine Kamera erinnert.

Isa Genzken entwickelte ihre künstlerische Arbeit im nachkriegsdeutschen Kontext in einem kritischen Dialog mit der europäischen und der US-amerikanischen Kunst. Mit ihren in regelmäßigen Abständen völlig neu konzipierten Arbeiten sorgt sie stets für Überraschungen. Über vier Jahrzehnte schuf sie ein unverwechselbares Werk, das sich gleichermaßen durch permanente Erneuerung und eine überaus spezifische künstlerische Arbeitsweise und Sprache auszeichnet. Die Ausstellung spannte einen Bogen von Genzkens frühen stereometrischen Holzskulpturen aus den 1970er-Jahren, welche aufgrund ihrer extremen Formen und Dimensionen nur durch eine Begehung des Raumes erfahrbar sind, über die Gussarbeiten aus Gips und Beton (1980/1990er-Jahre) bis zu damals jüngsten Arbeiten aus Epoxidharz. Ebenfalls zu sehen waren Filme, darunter Zwei Frauen im Gefecht (1972) und Chicago Drive (1992), sowie zahlreiche Fotografien und Collagen, die meisten darunter bislang nicht oder kaum bekannt, wie die oben genannten Collagenbücher.


[1] 1988 ging PanAm nach dem Flugzeugabsturz in Lockerbie in Konkurs und verkaufte das Gebäude.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 1996

21. September – 22. Dezember 1996
Generali Foundation

Wien, AT

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Ausstellungsproduktion: Daniela Stern

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation
Wien, 1996
Isa Genzken. MetLife
Vorwort Dietrich Karner, Aufsätze Sabine Breitwieser, Isabelle Graw, Birgit Pelzer und Isa Genzken
Grafische Gestaltung Dorit Margreiter
29,7 × 21 cm, 96 Seiten, 45 Farb-, 27 s/w Abbildungen
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
ISBN 3-901107-15-0

Links
www.foundation.generali.at