Edward Krasiński. Les mises en scène

Edward Krasiński (1925 Łuck – 2004 Warschau, PL) ist einer der wichtigsten Protagonisten der Neo-Avantgarde Polens der 1960er- und 1970er-Jahre. Seine einzigartigen Ausstellungsdisplays – grandiose Inszenierungen seiner Werke, mit denen er die jeweiligen Räume in ganz neue Situationen verwandelte – standen im Zentrum dieser ersten Retrospektive nach dem Tod Künstlers. Erstmals umfangreich vorgestellt wurden auch seine mit bekannten Fotografen wie Eustachy Kossakowski entstandenen (Selbst-)Inszenierungen. Legendäre Ausstellungen, wie in der Galerie Foksal in Warschau, an deren Gründung er 1966 beteiligt war und die zu seinen Hauptschauplätzen zählte, oder bei der Tokio Biennale 1970 wurden erstmals rekonstruiert.

Verwurzelt in Surrealismus und Konstruktivismus, entwickelte Krasiński bereits Ende der 1960er-Jahre Skulpturen, die gleichsam auf eine Linie reduziert sind. In spielerischer Weise entwickelte er früh konzeptuelle Arbeitsformen. Zu dieser Zeit entdeckte er für sich ein handelsübliches blaues Klebeband, das er fortan stets in 130 cm Höhe auf unterschiedlichen Trägern, Ausstellungswände, Kunstobjekte und anderem, anbrachte. Als die Kunstwerke für seine Ausstellung in Tokio nicht eintrafen, sendete er das Wort „BLUE“ 5000-mal per Telex und ließ den langen Lochstreifen mit dem Text ausstellen. Begleitet vom Konzeptkunst-Pionier Daniel Buren beklebte er in Paris die Mauern des städtischen Museum Moderner Kunst und Fenster der benachbarten Kunstgalerien mit dem blauen Band.

Sein Atelier, das er vom Konstruktivisten Henryk Stażewski übernommen und anfangs mit ihm geteilt hatte, verwandelte er ab 1988 in ein künstlerisches Environment, das er wiederum zum Thema seiner Werke machte. Das Atelier war auch der Ort, an dem Krasiński mit Kolleg*innen und Kritiker*innen und ab den 1990er-Jahren vermehrt mit jungen internationalen Künstler*innen einen intensiven Austausch pflegte. Mit Witz und Ironie schuf er ein Werk, das zwischen Malerei, Skulptur und Installation oszilliert und konzeptuelle sowie performative Züge trägt.

Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2006

12. Mai – 27. August 2006
Generali Foundation

Wien, AT

Kuratorin
Sabine Breitwieser
Assistenz Kuratorin, Ausstellungsproduktion: Bettina Spörr

Ausstellungskatalog
Hg. Sabine Breitwieser für Generali Foundation, Wien 2006
Edward Krasiński. Les mises en scène
Vorwort Dietrich Karner, Einleitung Sabine Breitwieser, Interviews mit Edward Krasiński von Eulalia Domanowska, Stanislaw Cichowicz, Andrzej Mitan, und mit Anka Ptaszkowska von Joanna Mytkowska, Andrzej Przywara, Aufsätze von Paweł Polit und Adam Szymczyk
Grafische Gestaltung Susanne Klocker
24,5 × 19 cm, 352 Seiten, 70 Farb-, 230 Duplex Abbildungen
Klappenbroschur, Deutsch/Englisch
Köln, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2006 (gebundene Ausgabe)
ISBN 3-901107-49-5

Links
www.foundation.generali.at