Mit einer sechs Jahrzehnte umspannenden Werkschau und rund 350 Arbeiten widmete das Museum der Moderne Salzburg der einflussreichen Künstlerin, Choreografin, Performerin und Autorin Carolee Schneemann (1939 Fox Chase, PA – 2019 New Paltz, NY, US) ihre erste umfassende Retrospektive, welche in der Folge in Frankfurt und New York gezeigt wurde. Auf zwei Ebenen und insgesamt 1700 Quadratmetern des Museums am Mönchsberg wurde einer Genealogie neuer Formen von Kunst nachgegangen, die bei Schneemann als Malerei in Bewegung auftrat und sich letztlich zu großräumigen Installationen in verschiedenen Medien entwickelte.
Eingeleitet wurde die Ausstellung mit früher Landschafts- und Porträtmalerei der Künstlerin aus Mitte der 1950er-Jahre. Schon früh begann Schneemann ihre Gemälde mit einfachen Mechanismen in Bewegung zu setzen und Fotografien und Gegenstände aus ihrem Alltag zu integrieren. Zahlreiche Werke aus dieser Gruppe waren in der Ausstellung erstmalig zu sehen. Schneemanns Anliegen, die Malerei über die Leinwand hinauszutragen und zugleich Schöpferin und Darstellerin ihrer Bilder zu sein, führte schließlich zum Einsatz von Medien wie Performance, Fotografie und Film.
In zahlreichen Werken und Texten setzte sich Schneemann mit dem weiblichen Körper im historischen und gesellschaftlichen Kontext auseinander und untersucht Lust und Erotik aus einer weiblichen Sichtweise. Ein Höhepunkt war der mit Farbe, Feuer, Säure und Collagetechnik bearbeitete Film Fuses (1965). In der legendären Performance Interior Scroll (1975) brachte Schneemann ihren Körper als Quelle „inneren“ Wissens in Stellung. Als kritische Antwort auf die Malerei des Abstrakten Expressionismus entwickelte sie mit Up to and Including Her Limits (1973–1977) eine Performance-Installation, welche den Körper der Künstlerin als Medium der künstlerischen Markierung hervorhebt. Jüngere Werke, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein waren, zeugen von der Intensität, mit der die Künstlerin [zur Zeit der Ausstellung] nach wie vor aktiv war.
In dieser großen Werkschau wurden Schneemanns berühmte Arbeiten und Performances gleichzeitig mit bisher noch nie oder selten gezeigten Arbeiten präsentiert und neue Facetten ihres künstlerischen Wirkens in den Fokus gerückt. Basierend auf einer wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung wurde ihr Werk in einer bisher noch nie dagewesenen Breite und Tiefe im Kontext der Malerei beleuchtet und für ein breites Publikum erschlossen. Ausstellung und Katalog wurden noch zu Lebzeiten und in Zusammenarbeit mit der Künstlerin organisiert.
Foto © Werner Kaligofsky, Bildrecht Wien 2024
21. November 2015 – 28. Februar 2016
Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg, levels 3 & 4
Salzburg, AT
Weitere Stationen
Museum für Moderne Kunst MMK, Frankfurt am Main: 13. Mai – 24. September 2017
MoMA PS1, New York: 22. Oktober 2017 – 11. März 2018
Kuratorin
Sabine Breitwieser, Direktorin, Museum der Moderne Salzburg; mit Branden W. Joseph, Frank Gallipolli Professor of Modern and Contemporary Art, Columbia University, New York als beratenden Kurator; und Tina Teufel, Kuratorin, Museum der Moderne Salzburg
Ausstellungsarchitektur
Kuehn Malvezzi (Berlin/Milano)
Ausstellungskatalog
Hg. von Sabine Breitwieser für das Museum der Moderne Salzburg, Salzburg, 2015
Carolee Schneemann. Kinetische Malerei
Aufsätze von Sabine Breitwieser, Brandon W. Joseph, Mignon Nixon, Ara Osterweil, Judith Rodenbeck und Carolee Schneemann
Gebunden, 28 × 24 cm, 336 Seiten, 610 Abbildungen
München, Prestel Verlag, 2015
Deutsch ISBN 978-3-7913-5507-8
Englisch ISBN 978-3-7913-5508-5






















