Pichler. Radikal: Architektur & Prototypen

Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit und anlässlich seines achtzigsten Geburtstages präsentierte ich am Museum der Moderne Salzburg eine fünf Jahrzehnte umspannende Retrospektive von Walter Pichler (1936 Deutschnofen, IT – 2012 Wien, AT), Grenzgänger zwischen Architektur, Design und Skulptur. Ausgehend von Pichlers frühen Architekturutopien über die Werkgruppe der Prototypen bis hin zu von ihm jüngst realisierten Bauprojekten wurde ein Werk erschlossen, dessen Einfluss bis heute sichtbar ist. Die Ausstellung baute auf die ebenfalls von Sabine Breitwieser bereits 1998 in der Generali Foundation ausgerichteten Werkschau der Prototypen auf und umfasste zahlreiche bislang unveröffentlichte Materialien von Pichler.

Mit seinen gleichermaßen radikalen wie utopischen Entwürfen zu Architektur und Design zählt Walter Pichler zu den eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit. Sein Einfluss ist bis heute sichtbar. Ausgehend von seinen frühen Architekturutopien, über die Werkgruppe der Prototypen, wurde in dieser Schau eine Verbindung zu von ihm realisierten Bauten hergestellt. Im Grenzbereich von Architektur, Design und Skulptur angesiedelt, zeichnen sich Pichlers Arbeiten stets durch ihre unverwechselbare Sprache aus.

Studienaufenthalte in Paris, New York und Mexiko prägten das Frühwerk von Pichler ebenso wie die gesellschaftlichen und technischen Neuerungen der 1960er-Jahre, die sich besonders in den ikonischen Prototypen niederschlugen. 1963 präsentierte Pichler mit Hans Hollein in der Galerie nächst St. Stephan in Wien Manifeste, Entwürfe und Modelle für hängende und unterirdische Stadtwelten, mit denen die damals gängige Auffassung von Architektur infrage gestellt wurde. Den beiden Geistesverwandten ging es dabei weniger um konkrete Projekte als vielmehr um eine als Utopie maskierte Kritik am Prinzip „form follows function“. Die Werkgruppe der Prototypen (1966–1969) entwickelte Pichler mit zu dieser Zeit neuen Materialien wie Acrylglas, Aluminium und Polyester sowie pneumatischen Elementen aus PVC und audiovisuellen Komponenten. Mit der Bezeichnung Prototyp spielte er darauf an, dass diese Arbeiten von ihrem Laborcharakter in eine maschinelle Serienproduktion gehen sollten.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Pichler-Archiv und umfasste daher auch bislang unveröffentlichte Materialien. Dank der Dauerleihgabe der Generali Foundation verfügt das Museum der Moderne Salzburg über den größten Bestand der Prototypen-Werkgruppe, die gemeinsam mit Pichlers frühen Architekturentwürfen nach vielen Jahren wieder zugänglich gemacht werden. Abschließend wurden Bauten, die Pichler ab 1972 in St. Martin im Burgenland geschaffen hat, und spätere Bauprojekte anhand von zwei bei den Künstler*innen Sasha Pirker und Werner Kaligofsky eigens beauftragten Filmen und anderen Materialien vorgestellt, darunter auch Fotografien von Elfi Tripamer-Pichler.

Foto © Rainer Iglar Bildrecht Wien 2016

26. November 2016 – 5. Juni 2017
Museum der Moderne Salzburg 
Mönchsberg, Ebene 4
Salzburg, AT

Kuratorin
Sabine Breitwieser, Direktorin
mit Christina Penetsdorfer, Assistenz Kuratorin

Ausstellungsarchitektur
Wilfried Kuehn, Kuehn Malvezzi (Berlin/Milano)

Links
www.museumdermoderne.at